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Von Schule und Hirtenhaus zu Förch Lernen mit Rohrstock und Fleißbildchen

Aktualisiert: 21. Jan. 2022

Folge 8 von Wolfgang Braun
Erstellt im Juni 2021. Digitalisiert vom Heimatverein Niederbühl-Förch e. V. im Dezember 2021
Vielen Dank unserem Gründungsmitglied Wolfgang Braun, dass wir seinen Artikel hier veröffentlichen dürfen.

In den vergangenen Monaten richtete wahrscheinlich so mancher, der in „Normalzeiten“ gerne mit dem Altenwerk auf Tour geht, den Blick zurück auf Ausflüge, verbunden mit angeregten Gesprächen, Eindrücken und Erlebnissen. Zugegeben, es ist schon lange her, aber ein Ziel, das man unter den Begriff Kuriositäten einordnen kann, war der Besuch des Schulmuseums für ehemals Großherzoglich Badische Schulen" in Zell-Weierbach/Offenburg im Jahre 2009.


Dort gab Museumsleiter Bernd Schneider unserer Gruppe einen Überblick über die Entwicklung der bürgerlichen Bildung an Volksschulen. Die meisten Teilnehmer staunten nicht schlecht, als sie selbst aufgefordert wurden, sich als Schüler in die Bänke zu setzen – und das mit Ernst und Hochachtung vor dem Lehrer, der schnell in seinen schwarzen Rock schlüpfte und aus einem dicken Protokollbuch Folgendes berichtete: Im vergangenen Schuljahr seien


„… mehrfältige Klagen über Haupt- und Unterlehrer (Provisoren) wegen übermäßig ertheilten Schlägen eingelaufen und besonders auch darüber Beschwerden erhoben worden, daß die Kinder mit dem Stecken, wie mit Händen gestaucht, auf den Kopf geschlagen und auf die zusammengelegten Fingerspitzen gezüchtigt werden.“


Als zwei Männer aus unseren Reihen ungefragt bemerkten: „Das waren noch Zeiten“, wurden sie von Lehrer Schneider kurzerhand auf die Eselsbank verwiesen, was bei den restlichen „Schülern“ mit lautem Gelächter quittiert wurde. Die Szene ließ aber auch Erinnerungen an eigene Kindheitserfahrungen oder Erzählungen älterer Menschen zum Thema „körperliche Züchtigungen“ in der Schule aufkommen.


Gesprächsstoff hierzu gab es beim anschließenden Kaffee und beim gemeinsamen Abendessen genug. Auch in der Volksschule in Förch, war wohl die „Pädagogik der Handtatzen“ nichts Ungewöhnliches, wusste mehrere Senioren zu berichten. Ein Ausflug in die Historie dieser „Zwergschule“ sei an dieser Stelle eingefügt: Die Schule in Förch hat eine durchaus interessante Vergangenheit, beschäftigte sich doch mit deren baulicher Erweiterung bereits der Markgräflich Baden-Badische Hofbaumeister und Bauinspektor Franz Ignaz Krohmer, der ein Schüler von Balthasar-Neumann war.


Er erstellte u. a. Pläne für Kirchen in unserer Region, aber auch Pläne zum weiteren Ausbau der Rastatter Residenz. Seine Bauwerke stellen ein Werk von regionaler Bedeutung für die Architekturgeschichte des Spätbarocks und des frühen Klassizismus im deutschen Südwesten dar. Und genau dieser Hofbaumeister erweiterte 1783 das bestehende „Hürttenhauß(Hirtenhaus) zu Förch zu einem Schul- und Hirtenhaus, wo der Lehrer neben dem „Ross-, Kühe- und Schweinehürtten“ leben sollte. Zu diesem Zweck wurde an das bestehende Hirtenhaus ein neues Gebäude für die Schule und die Wohnung des Lehrers angebaut. Der Gemeinde war nämlich für ihre „angewachsene Jugend“ ein „eigener Schuhl Praeceptor“ zugewiesen worden.


Zu dessen Qualifikationen entnehmen wir aus einem Schulprotokoll, das im Niederbühler Heimatbuch (S. 424) abgedruckt ist, die wenig schmeichelhafte Information:


„Niderbuhl mit Forich: Lehrer, Meßner und Direktor Horologii Johannes Piz, ein Einwohner des Dorfes, kann kaum lesen, ist allzu lahm, angestellt von Gemeinde und Pfarrer, bewohnt ein eigenes Haus. (Erhält den) Zehnden von allen Feldern, von jedem Bürger eine Garbe, die Glockengarbe von der Kirchenuhr, für Wäsche, Weihrauch und Salz 4 Gulden, vierteljährlich 2 Schilling Schulgeld …, bei Frohndbefreiung.“

Das Bild zeigt das „alte Schulhaus“ an der Favoritestraße in seiner heutigen Form, das bis 1972 als Schule genutzt wurde. Auch der hier untergebrachte Kindergarten schloss 1975 seine Pforten. Kurzfristig wurde das Gebäude als Poststelle, später als Wohngebäude genutzt. Im Ökonomiegebäude befanden sich eine Zeit lang die Milchsammelstelle und der Feuerwehrgeräteraum.


Sollte Ihnen, verehrte Leser obige Zeilen gefallen haben, so laden wir Sie ein in der nächsten Folge, mehr über eine fast tausendjährige Tradition von Mühlen in unserem Dorf zu erfahren.

Herausgeber

Pfarrgemeinde St. Laurentius Niederbühl, in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal, vertreten durch das Gemeindeteam.

Autor (Text- und Gestaltung)

Erstellt im Juni 2021

Blogbeitrag

Erstellt im Dezember 2021 vom Heimatverein Niederbühl-Förch durch Marcus Wirth

Fotografien

Sofern nichts anderes vermerkt ist, stammen die Fotografien von Wolfgang Braun

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