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Eintauchen in die Sagenwelt der Ebersteiner

Aktualisiert: 22. Jan. 2022

Folge 6 von Wolfgang Braun
Erstellt im Mai 2021. Digitalisiert vom Heimatverein Niederbühl-Förch e. V. im Dezember 2021
Vielen Dank unserem Gründungsmitglied Wolfgang Braun, dass wir seinen Artikel hier veröffentlichen dürfen.

Schon Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) wusste es: „Wer sich des Guten nicht erinnert, hofft nicht.“ So „lebt“ bei den Teilnehmern der Fahrten des Altenwerks unserer Pfarrgemeinde beim Lesen dieser Zeilen sicher die ein oder andere gute Erinnerung an schöne Stunden im Kreise Gleichgesinnter auf.


Auch dieser Text erzählt von einem gern besuchten Ziel unserer Gruppe und berichtet so manches „drum rumm“, so z. B. Sagen und Erzählungen des Reisezieles.


Vor12 Jahren – genauer gesagt am 17. Juni 2009, besuchten wir mit sechzig Gästen unseres Altenwerkes an einem sonnendurchfluteten Tag das Schloss Eberstein und genossen auf der Außenterrasse hoch über Gernsbach nicht nur einen herrlichen Blick ins Murgtal, sondern auch Kaffee und Kuchen.


Auf der Fotografie ist ein Teil unserer Gruppe abgebildet, die vom Schlossführer begrüßt wurde. Auch hier gilt die unabwendbare Tatsache, dass zum Leben der Tod gehört. Wir denken an dieser Stelle an alle, die bei dieser Fahrt noch dabei waren, zwischenzeitlich aber von uns gegangen sind. Sie haben die Reise in die Ewigkeit angetreten.

Folgendes Bild zeigt Schloss Neu-Eberstein in seiner heutigen Form, wie es sich seit dem 19 Jahrhundert stolz über der Murg, hoch über Gernsbach und Obertsrot erhebt.

Reich ist der Sagenschatz rund um das Schloss und das daraus stammende Grafengeschlecht der Ebersteiner. Da gibt es Helden wie den Klosterstifter Bertold, den liebestollen Wolfheiner oder den wagemutigen Wolf von Eberstein, der auf der Flucht vor dem Feind mit seinem Pferd von einem Felsen unterhalb des Schlosses in die Murg sprang und so seinen Belagerern entkam.


Diese Legende ist in der Literatur (Ludwig Uhland) und der Malerei (Gemälde in der Trinkhalle Baden-Baden) „verewigt“ worden. Die Stelle unterhalb des Schlosses Eberstein, von der Graf Wolf angeblich gesprungen sein soll, wird als „Grafensprung“ bezeichnet. Schon allein die Topographie straft die Legende allerdings Lügen: Von dieser Stelle kann niemand einen Sprung zu Pferd überleben! Dennoch steckt in der Legende historische Wahrheit.


Die Burg Neu-Eberstein wurde 1367 tatsächlich von den Württembergern belagert, und zwar in Folge eines Verbrechens, das damals viel Aufsehen erregte und noch Jahrhunderte später in den Chroniken verzeichnet wurde. Graf Wolf von Eberstein (1340 bis 1396) war einer der tapfersten Ritter seines Geschlechts. Nichts liebte er mehr als Kampf und Streit; nichts war ihm mehr zuwider als untätiges Verweilen auf seiner Burg. Er führte nicht umsonst den Beinamen „der Zänker“.


So zog er sich bald auch den Zorn des Grafen Eberhard II. von Württemberg zu. Dieser kurierte im Frühjahr des Jahres 1367 in den warmen Quellen eines „Wildbad“ genannten Ortes die Folgen eines Jagdunfalls aus. Er wurde von weiteren Familienmitgliedern bei diesem Kur-Urlaub begleitet. Dieses Familienidyll war für einige Adlige aus der Region ein gefundenes Fressen. Schon lange fühlten sie sich von den Württembergern ständig übervorteilt. Zusammen mit einigen Adligen kam Wolf von Eberstein auf die Idee, Graf Eberhard und seine Lieben bei der Kur zu überfallen, gefangen zu nehmen und nur gegen ein fettes Lösegeld wieder freizulassen. Die geplante Geiselnahme ging schief. Modern würde man diese Aktion als „fehlgeschlagenes Kidnapping im frühen Mittelalter“ bezeichnen. Die Möchtegern-Entführer wurden vom Kaiser in die Reichsacht geschickt; der Württemberger holte zum Gegenschlag aus, wo die Sage um den Grafensprung einsetzt.


"Die Württemberger schlossen ihn ein: Was tat Wolf Eberstein? Er ritt von der Burg hinab an die Murg zum steilsten Rand der Felsenwand. Da war die Welt von Feinden rein, da sprengt er in die Murg hinein: erhalte Gott Dich, Eberstein. So kecke Flucht bringt keine Schmach, die Feinde selber jauchzen nach. Er kam herab ohn´ Ungemach. Fort ritt er dann, frei war der Mann. Seh´ einer, ob er´s auch so kann.”

Nach dem Schlossbesuch und vielleicht dem Genuss eines Gläschens „Eberblut“ besuchte die Gruppe einen mystischen Ort, wo die Phantasie der Sagenwelt beheimatet ist, nämlich die Teufelsmühle. Davon mehr im nächsten Mitteilungsblatt.

Herausgeber

Pfarrgemeinde St. Laurentius Niederbühl, in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal, vertreten durch das Gemeindeteam.

Autor (Text- und Gestaltung)

Erstellt im Mai 2021

Blogbeitrag

Erstellt im Dezember 2021 vom Heimatverein Niederbühl-Förch durch Marcus Wirth

Fotografien

Sofern nichts anderes vermerkt ist, stammen die Fotografien von Wolfgang Braun

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