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Heinrich Hansjakob – Rebell im Priesterrock

Aktualisiert: 22. Jan. 2022

Folge 5 von Wolfgang Braun
Erstellt im Mai 2021. Digitalisiert vom Heimatverein Niederbühl-Förch e. V. im Dezember 2021
Vielen Dank unserem Gründungsmitglied Wolfgang Braun, dass wir seinen Artikel hier veröffentlichen dürfen.

Lang, lang ist´s her – als am 9. April 2008 unser Seniorenwerk auf Frühlingsfahrt im Kinzigtal war. Neben dem Besuch der Hahn- und Henne-Manufaktur zu Zell am Harmersbach ging es bei dieser Fahrt auch um den aus Haslach stammenden „streitbaren“ Pfarrer Heinrich Hansjakob, der weit über seine Heimat hinaus bekannt war.


Auch in Rastatt und Niederbühl erinnern Straßen- und Schulbezeichnungen (Hansjakobstraße / Hansjakobschule) an den Volksschriftsteller, der von der Stuttgarter Zeitung als „Demokrat, Antisemit, Nerventeufel und polternd predigender Pfarrer, der gegen fast alles ist“ beschrieben wurde. Seine Rastatter Zeit begann 1852, als er im Lyzeum (heute Ludwig Wilhelm Gymnasium) bis 1859 die Schulbank drückte.


Fritz Jerger, der Großvater des Autors dieser Zeilen berichtete oft von Erzählungen seines Vaters, nach denen Heinrich gerne im Gasthaus Favorite zu Niederbühl (heute SchnickSchnack) zu Gast war.


Als Gymnasiallehrer in Donaueschingen und späterer Leiter der Höheren Bürgerschule in Waldshut fiel er wegen seines „frechen Mundwerks“ auf und wurde wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ zu einer vierwöchigen Haftstrafe in der Festung Rastatt verurteilt. Ab 1869 wirkte er in Hagnau am Bodensee als Pfarrer, wo er 1881 die erste Badische Winzergenossenschaft gründete.




Bildquelle: Ölgemälde, Städtisches Museum, Freiburg; online Sammlung

Das Bild zeigt ein Ölgemälde des vor 105 Jahren verstorbenen „Rebells im Priesterrock“.

In Hofstetten bei Haslach verbrachte Heinrich Hansjakob immer wieder seinen Urlaub. Er wohnte dann stets im Gasthaus „Drei Schneeballen“, das er als sein „Paradies“ bezeichnete. Gegenüber dieses „Paradieses“ ließ er zwischen 1901 und 1903 seine Grabkapelle bauen.







Gleich zu Baubeginn überwarf er sich mit dem Ordinariat und erwog 1901 seinen Rücktritt als Pfarrer.


Im Jahre 1911, fünf Jahre vor seinem Tod, kam es zum Bruch mit der Amtskirche. Auch zu dieser Zeit kämpften Katholiken gegen „… die ewig gestrige Kirche“, so Hansjakobs Meinung, als er gegen den „Antimodernisierungseid“ protestierte. Dieser Eid, von Papst Pius X. im Jahr 1910 erlassen, verpflichtete alle katholischen Priester und Diakone vor ihrer Weihe zu strengstem Gehorsam. Die lange Eidesformel, die bis 1967 in Kraft war, beginnt wie folgt:



«Ich umfasse fest und nehme an alles und jedes Einzelne, was vom irrtumslosen Lehramt der Kirche bestimmt, aufgestellt und erklärt ist, besonders die Hauptstücke ihrer Lehre, die unmittelbar den Irrtümern der Gegenwart entgegen sind.»

Pfarrer Hansjakob nimmt klar Stellung, indem er ausführt, dass Verkünder der Frohen Botschaft keinen Antimodernisierungseid benötigen. Er stellt die für ihn entscheidende Frage:

„Kann jemand, der diesen Eid geleistet hatte, noch kritisch und offen sein für neue Entdeckungen?“

Diese Frage ist auch heute noch aktuell. Wir vom Altenwerk sind immer offen für neue Entdeckungen jeglicher Art. Sobald ein sicheres Reisen möglich ist, werden wir wieder auf Tour gehen und dabei auch das schöne Kinzigtal nicht vergessen.


Zum Schluss noch eine Weisheit aus dem Mund des Heinrich Hansjakob, der in der Bodenseeregion auch „Hans am See“ genannt wird.

„Die öffentliche Meinung richtet und fällt ihr Urteil über gut und bös, über ehrenhaft und unehrenhaft – aber in ihrer Art. Sie verherrlicht oft die größten Lumpen und verachtet den armen ehrlichen Mann. Sie schmeichelt oft dem Laster und unterdrückt und verhöhnt die Tugend. Lüge und Heuchelei bringen es vor ihrem Richterstuhl viel weiter als Offenheit, Geradheit und Ehrlichkeit.“

Herausgeber

Pfarrgemeinde St. Laurentius Niederbühl, in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal, vertreten durch das Gemeindeteam.

Autor (Text- und Gestaltung)

Erstellt im Mai 2021

Blogbeitrag

Erstellt im Dezember 2021 vom Heimatverein Niederbühl-Förch durch Marcus Wirth

Fotografien

Sofern nichts anderes vermerkt ist, stammen die Fotografien von Wolfgang Braun

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