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Ukrainische Kriegsopfer auf dem Niederbühler Friedhof

Aktualisiert: 22. Jan. 2022

Folge 2 von Wolfgang Braun
Erstellt im Mai 2021. Digitalisiert vom Heimatverein Niederbühl-Förch e. V. im Dezember 2021
Vielen Dank unserem Gründungsmitglied Wolfgang Braun, dass wir seinen Artikel hier veröffentlichen dürfen.

Das Altenwerk meldet sich mit einem schriftlichen Gruß, denn „mir sinn noch doo“ und unternehmen einen Ausflug in unsere Vergangenheit. Nachdem im letzten Artikel des Mitteilungsblattes u. a. das Kreuz auf dem Friedhof im Mittelpunkt der Betrachtungen stand, folgen jetzt Informationen zu den Kreuzen von den, auf dem Ehrenhain unseres Friedhofes bestatteten Menschen. Eine Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage erfordert einen kurzen Blick in die Geschichte zur Zeit des ersten Weltkrieges, denn auch zu dieser Zeit war die Ukraine ein Zankapfel im Herzen Europas. Große Teile der heutigen Ukraine gehörten damals noch dem Habsburger-Reich an. Gleichzeitig gab es Bestrebungen, einen eigenständigen ukrainischen Staat zu gründen. Im Osten der Region versuchte das zaristische Russland seinen Einfluss auszuweiten. An der Süd-Ost-Front kämpften deutsch-österreichisch-ungarischen Truppen gegen die Soldaten des russischen Zares. Das Oberkommando des deutschen Heeres versuchte verschiedene ukrainische Unabhängigkeitsbewegungen zu unterstützen und ordnete an, aus der Masse russischer Kriegsgefangenen ukrainische Soldaten „auszusortieren“. Diese sollten später im Kampf gegen Russland eingesetzt werden. Das Deutsche Reich unterstützte somit massiv die Separationsbemühungen der Ukrainer als Kriegsmittel zur Schwächung Russlands. So wurden bis zu 15.000 Kriegsgefangene ukrainischer Herkunft seit Mai 1915 zur „Umerziehung“ für antirussische Ideen ins Rastatter Barackenlager deportiert. Dieses Lager nannte der Volksmund „Russenlager“.

Das Bild zeigt ukrainische Lagerinsassen.

In diesem Lager herrschten zwar unhygienische Zustände und Hunger, aber man kann den Quellen entnehmen, dass die Gefangenen - anders als im Zweiten Weltkrieg - wohl größtenteils gut behandelt wurden. Neben der Umerziehung wurden sie auch zu Arbeiten in der Stadt herangezogen, beispielsweise zu Straßenarbeiten und Einebnungsarbeiten der alten Bastion.

Die Toten wurden zunächst auf dem Stadtfriedhof, dann auf dem 1957/58 neu geordneten Niederbühler Friedhof umgebettet. Hier richtete man einen Ehrenhain als internationale Ruhestätte, vor allem für die Verstorbenen des Ukrainerlagers, ein. Auch Opfer des Zweiten Weltkrieges, u. a. Sinti und Roma sowie Menschen, die das Arbeitserziehungslager nicht überlebten, fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Den Ehrenhain dominiert ein mit einem Kreuz versehener Findling.

Die Inschrift des Findlings lautet:
„Hier ruhen die im Lazarett des Russenlagers Rastatt gestorbenen ukrainischen Kriegsgefangenen 1915 – 1917“

Heute haben wir mit dieser kleinen Anlage eine würdige Gedenkstätte als Erinnerung und Mahnung an schreckliche Zeiten, die auch in unserer Heimat Spuren hinterlassen haben.


Es lohnt sich, die Grabkreuze näher anzuschauen und sich zu vergegenwärtigen, wie viele junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren dort begraben sind. Möge es politisch handelnden Personen gelingen, Situationen die hier beschrieben wurden, zukünftig von uns abzuwenden.


Leider gibt es auf Niederbühler Boden weitere Zeugen der Unmenschlichkeit, z. B. das Leid der im Arbeitserziehungslager während des Zweiten Weltkrieges leidenden Menschen auf dem Gelände der ehemaligen BASI-Fabrik. Darüber erfahren Sie mehr in der kommenden Ausgabe. Das Altenwerk hofft, dass aus Ausflügen in die Geschichte "echte" Ausflüge werden. Bis dahin gilt der Wunsch: "G´sund bleibe".


Herausgeber

Pfarrgemeinde St. Laurentius Niederbühl, in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal, vertreten durch das Gemeindeteam.

Autor (Text- und Gestaltung)

Erstellt im April 2021

Blogbeitrag

Erstellt im Dezember 2021 vom Heimatverein Niederbühl-Förch durch Marcus Wirth

Fotografien

Sofern nichts anderes vermerkt ist, stammen die Fotografien von Wolfgang Braun

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