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Pandemien, Geiseln der Menschheit. Vom Schwarzen Tod zu Covid-19

Aktualisiert: 22. Jan. 2022

Folge 4 von Wolfgang Braun
Erstellt im Mai 2021. Digitalisiert vom Heimatverein Niederbühl-Förch e. V. im Dezember 2021
Vielen Dank unserem Gründungsmitglied Wolfgang Braun, dass wir seinen Artikel hier veröffentlichen dürfen.

Weltweit jagt die aktuelle Corona-Pandemie den Menschen Angst und Schrecken ein. Sie versetzt uns in einen Ausnahmezustand, der für viele nur schwer zu ertragen ist. Auch in Niederbühl sind die Auswirkungen zu spüren, aber Pandemien sich nichts Neues. So raffte die Pest allein im 14. Jahrhundert in Europa mehr als 25 Millionen Menschen, also rund ein Drittel der Bewohner, dahin. Es ist eine schlimme Redensart, wenn man sagt:

„Da kann er warten, bis er schwarz wird“, weist sie doch auf die damals unheilbare Krankheit – auch „schwarzer Tod“

genannt – hin. An der Pest starben im Mittelalter weitaus mehr Menschen als an Kriegen, obwohl Soldaten, neben Händlern auf den großen Handelsrouten, die größten Verbreiter der Pest – vor allem während des Dreißigjährigen Krieges – waren. Allgegenwärtige Flöhe nahmen das Blut mit dem Bakterium Yersinia Pestis infizierter Ratten auf, sodass sich die hochgradig ansteckende Infektionskrankheit unaufhaltsam verbreiten konnte.


Epidemien wie Pocken, die Spanische- und Asiatische Grippe, die Cholera etc. hatten ebenfalls schreckliche Auswirkungen und wurden als „Heimsuchungen“ empfunden. Folgerichtig stellte sich die Frage: „Wer trägt die Schuld daran? Allzu oft wurden die Juden als vermeintliche Übeltäter und Brunnenvergifter zur Verantwortung gezogen, was sich in zahlreichen Pogromen äußerte.


Im Mittelalter sprach man oft aber auch von Vorsehung oder Gottes Fügung. In Südfrankreich galt z. B. das gängige Wort: „Gott ist der wahre Arzt“. Verordnete Therapien zur Linderung der Not sah man z. B. in Gelübden, Pilgerschaften, Gottesdiensten und immer wiederkehrende Bittprozessionen. Außerdem weihte man Kirchen, Kreuze und Bildstöcke auf den Namen des Rochus von Montpellier, dem Schutzpatron gegen die Pest. Auch in unserer badischen Heimat war dies der Fall.


Das Bild, fotografiert auf dem Jakobsweg zeigt die typischen Attribute des Heiligen Rochus, nämlich den Pilgerstab, den Brot bringenden Hund und die Pestbeule am Oberschenkel.


Geboren wurde Rochus in Montpellier um 1349. In seiner Heimatstadt studierte er Medizin, und dies in einer Zeit, in der täglich bis zu 500 Menschen starben. Rochus verschenkte sein Vermögen an Arme und begab sich auf Pilgerschaft. In Viterbo und Piacenza (Oberitalien) pflegt er Pestkranke, und wurde dabei selbst von der Seuche befallen.


Im Spital wegen seiner Armut nicht geduldet, zog er sich in eine Hütte des nahen Waldes zurück, um dort zu sterben. Eine Quelle entsprang, um ihm Wasser zu geben. Der Hund eines benachbarten Edelmanns brachte ihm täglich Brot und leckte seine Pestbeulen. Schließlich erschien ein Engel, der Rochus heilte, worauf dieser wieder nach Piacenza ging, um sich den Pestkranken zu widmen und dann die Heimreise nach Frankreich anzutreten. Dort erkannte ihn niemand und er wird als vermeintlicher Spion in den Kerker geworfen. Nach fünfjähriger Gefangenschaft starb er im Jahr 1379.


Zurück in unsere Heimat:

Eindrucksvoll könnte die kleine Kapelle St. Sebastian-Rochus in Rotenfels (Ortsrand Richtung Ortsteil Winkel) von den inständigen Gebeten der Gläubigen und ihrer Not im ohnmächtigen Kampf gegen die damals unbesiegbaren Seuchen erzählen. Aber auch in Michelbach erinnert – wenige Höhenmeter über der Pfarrkirche – ein eindrucksvolles Pestkreuz, errichtet gegen die „Gottesgeißel“ und bis heute steingewordenes Symbol der Hoffnung in jährlich wiederkehrenden Flurprozessionen. Aber gerade bei solchen Bus- und Bittprozessionen, die den Zorn Gottes besänftigen sollten, steckten sich die Menschen vermehrt an. Das Pestkreuz erinnert an die Bürger, die im Dreißigjährigen Krieg und von der Pest dahingerafft wurden. Es trägt die Jahreszahl 1689.

Mit diesem „gedanklichen“ Ausflug zum Pestkreuz in Michelbach soll auch an einen „realen“ Ausflug des Seniorenwerks in das idyllische Fachwerkdorf erinnert werden. Dort erlebten wir anlässlich der ersten Frühlingsfahrt im März 2010 einen unvergesslichen Nachmittag mit musikalischem Programm und einem zünftigen Vesper in den urig gemütlichen Räumen des Hirtenhauses. Der Blick auf die Busfahrt nach Michelbach soll auf das kommende Frühjahr 2022 verweisen, in dem wir hoffentlich wieder zusammen auf Tour gehen und unsere gewachsene Gemeinschaft leben und genießen dürfen. Freuen wir uns darauf!






Herausgeber

Pfarrgemeinde St. Laurentius Niederbühl, in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal, vertreten durch das Gemeindeteam.

Autor (Text- und Gestaltung)

Erstellt im Mai 2021

Blogbeitrag

Erstellt im Dezember 2021 vom Heimatverein Niederbühl-Förch durch Marcus Wirth

Fotografien

Sofern nichts anderes vermerkt ist, stammen die Fotografien von Wolfgang Braun

Beitrag zum download

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