Niederbühls Straßennamen und deren Bedeutung
Wolfgang Braun, Niederbühl im Oktober 2026 [1]
Wie in allen Gemeinden und Städten gibt es auch in Niederbühl einige Straßen, die nach Personen benannt sind, die man posthum durch diese Namenspatenschaften ehren und in Erinnerung halten will. Doch leider ist es meistens so, dass im Lauf der Jahre durch die Gewohnheit bei der Nennung der Namen die dahinterstehende Intention in Vergessenheit gerät.
Folgende Zeilen machen es sich daher zur Aufgabe, Hintergrundinformation zu den „Namenspatronen“ der Hilda-, Laurentius-, Hebel-, Grünewald-, Hans-Thoma-, Schubert- und Hansjakobstraße zu liefern.
Was es mit der Hilda so auf sich hat
Beginnen wir mit der Hildastraße, an der die Pfarrkirche St. Laurentius erbaut wurde.
Haben sie sich schon einmal überlegt, an welche „Hilda“ hier erinnert werden soll? | ![]() |
Es handelt sich um Hilda Charlotte Wilhelmine von Nassau.
Sie wurde in der Nähe von Wiesbaden im Jahr 1864 als jüngste Tochter des Herzogs Adolf I. von Nassau geboren und starb 1952 in Badenweiler. Im Jahr 1885 heiratete die Prinzessin den Großherzog von Baden, Friedrich II. [* 1857, † 1928], der ein Enkel des preußischen Königs und späteren Deutschen Kaisers, Wilhelm I. war.
Als "letzte Großherzogin Badens" ist sie in die Geschichte eingegangen.
Sie war eine Frau mit einem wahrhaft bewegten Leben, welches von der Monarchie über zwei Weltkriege bis in die Anfänge der Bundesrepublik Deutschland reichte. [2]
Ihre Beliebtheit zeigt u. a., dass in vielen Orten Badens nach ihr Plätze, Schulen und Straßen benannt wurden. So trägt z. B. in Karlsruhe das Hildahaus – 1897 als Kinderkrippe des Badischen Frauenvereins eröffnet – die Handschrift der Großherzogin. In Freiburg steht auf dem Lorettoberg der 1886 erbaute Hildaturm. | ![]() |
Der Erste Weltkrieg stellte Hilda vor neue Herausforderungen, denen sie sich vorbehaltlos und ohne sich zu schonen stellte. So besuchte sie Lazarette, verabschiedete ins Feld ziehende Krankenschwestern, war bei der Ankunft von Verwundetentransporten zugegen, um Hoffnung und Mut zu spenden. Bei der Planung und Ausführung von Hilfsmaßnahmen im Rahmen des Roten Kreuzes packte sie selbst mit an.
Ihre aufrichtige Teilnahme an den Leiden von Verwundeten und Kranken verschaffte ihr weitreichende Anerkennung.
Und ganz zum Schluss: JAAAA, da war doch noch was!“
Das Hildabrötchen wurde nach ihr benannt.
Hier die Zutaten für ein Blech a) 300 g. Mehl b) 125 g. Zucker c) 1 Päckchen Vanillezucker d) 1 Ei e) 150 g. kalte Butter f) 100 g. Himbeergelee zum Bestreichen g) 1 Esslöffel Puderzucker | ![]() |
Zubereitung
Mehl, Zucker, Vanillezucker, Ei und Butterflocken zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig zu einer Kugel formen und eingepackt oder gut abgedeckt etwa eine Stunde kaltstellen. Den Backofen auf 150 – 180°C vorheizen und den Teig etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen und Plätzchen ausstechen. Bei jeweils einem von zwei gleichen Formen in der Mitte ein kleines Loch ausstechen. Die Plätzchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und etwa 15 Minuten goldgelb backen. Nach dem Abkühlen das Gelee erwärmen, die ganzen Plätzchen damit bestreichen und jeweils ein gelochtes Plätzchen aufsetzen. Zuletzt mit Puderzucker bestäuben. Anstatt Himbeergelee kann auch Johannisbeergelee verwendet werden.
Um welchen „Hebel“ handelt es sich?
Wo müssen wir den Hebel ansetzen?
Johann Peter Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren. Er war der Sohn des Johann Jakob Hebel, der aus dem Hunsrück nach Südbaden kam. | ![]() |
Johann Peter Hebels Mutter stammte aus dem südbadischen Hausen. Die Tatsache, dass seine Eltern als Angestellte eines Basler Patriziers im Sommer in Basel arbeiteten, im Winter aber nach Hausen zurückkehrten, wo Johanns Vater als Weber tätig war, hatte für den Sohn mehrfache Schulwechsel zur Folge. So besuchte er ab 1766 die Volksschule in Hausen und ab 1769 die Lateinschule in Schopfheim. In den Sommermonaten war er Schüler der Gemeindeschule in Basel und ab dem Jahre 1772 Gymnasiast am Basler Münsterplatz.
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Zu dieser „bewegten“ Kindheit kam hinzu, dass er früh ohne Eltern leben musste. Sein Vater starb bereits zwei Jahre nach der Geburt des Sohnes an Typhus. Als Dreizehnjähriger musste Johann miterleben, wie man seine schwerkranke Mutter auf einem Ochsenkarren von Basel nach Hausen brachte. Sie starb bereits unterwegs im Beisein ihres Sohnes.
Heimatliche Gönner ermöglichten dem 15-jährigen Hebel 1775 den Besuch eines Karlsruher Gymnasiums und ab 1778 das Studium der evangelischen Theologie in Erlangen. Nach zwei Jahren wurde er ordiniert, also in das Amt eines Pfarrers eingeführt. In seiner Antrittspredigt als evangelischer Pfarrer in Hausen bezog er sich u. a. auf seine „arme /reiche“ Kindheit, indem er ausführte:
"Ich bin von armen, aber frommen Eltern geboren, habe die Hälfte der Zeit in meiner Kindheit bald in einem einsamen Dorf, bald in den vornehmen Häusern einer berühmten Stadt zugebracht. Da habe ich frühe gelernt, arm sein und reich sein. Wiewohl, ich bin nie reich gewesen; ich habe gelernt, nichts haben und alles haben, mit den Fröhlichen froh sein und mit den Weinenden traurig.“ [4]
Nach weiteren Berufsjahren z. B. ab 1783 als Vikar und Hilfslehrer am Pädagogium in Lörrach und ab 1791 als Subdiakon in Karlsruhe, konnte er als Professor für Dogmatik als Gymnasiallehrer tätig sein. [5]
![]() | Im Jahr 1819 wurde er zum Abgeordneten der Ersten Kammer des Badischen Landtages gewählt und im gleichen Jahr zum Prälaten ernannt, dem höchsten Amt in der evangelischen Landeskirche Badens.
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Als er im September 1826 eine Dienstreise unternahm, um in Mannheim Schulprüfungen abzunehmen, bekam er hohes Fieber. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich so rapide, dass er noch im gleichen Monat verstarb. Johann Peter Hebel wurde in Schwetzingen bestattet, wo man ihm heute noch die letzte Ehre erweisen kann.
Abriss seines literarischen Schaffens
Johann Peter Hebel war ein Multitalent. Er war Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller.
Aufgrund seines Gedichtbandes „Alemannische Gedichte“ gilt er als Pionier der alemannischen Mundartliteratur. Seine Kalendergeschichten, die er später im „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ zusammenfasste, weisen ihn als Meister der Anekdoten aus und machten ihn auch über die badischen Grenzen hinaus bekannt.
Folgende Aussage, entnommen aus der Prosa-Sammlung des „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ (1811) ist überschrieben mit „Denkwürdigkeiten aus dem Morgenlande“.
"Ein anderer meinte, es sei schön, Gutes zu tun an seinen Freunden, und Böses an seinen Feinden. Aber noch ein anerer erwiderte: Das sein schön, an den Freunden Gutes zu tun, und die Feinde zu Freunden zu machen."
Und weiter können wir lesen:
"Oft ist gerade da am wenigsten Gold, wo der Glanz und die Prahlerei am größten ist."
Mathias Grünewald
Malergenie der deutschen Renaissance
Die Grünewaldstraße ist nach einem bedeutenden Maler und Grafiker der Renaissance benannt. Die exakte Biografie Mathias Grünewalds konnte bis heute nicht eindeutig rekonstruiert werden.
![]() | Man geht davon aus, dass er um 1480 in Würzburg geboren wurde und um 1528 in Halle an der Saale gestorben ist. |
Auch ist nicht geklärt, bei wem er die Malerei erlernte. Er muss wohl von Auftrag zu Auftrag durch die Lande gereist sein. Ein Großteil seiner Werke finden sich entlang des Rheins und des Mains nahe Aschaffenburg, Mainz und Frankfurt.
Stellte Grünewald Seife her?
Grünewald wirkte aber auch im Elsass, wo er nicht nur als Maler und Baumeister, sondern – gegen Ende seines Lebens – als Seifensieder tätig war. Es scheint, dass ihm die Aufträge ausgegangen seien, was in der Zeit der Reformation, geprägt von Glaubens- und Bauernkriegen nicht verwundert.
![]() | Seine Werke lassen erkennen, dass er Bilder von Hans Holbein dem Älteren, Albrecht Dürer und Lucas Cranach dem Älteren kannte sowie mit der niederländischen und italienischen Malerei vertraut war. Dies deutet auf eine Anwesenheit in Nürnberg in der Zeit um 1500 hin. Das Bild belegt sein Wirken in Aschaffenburg. [6] |
Grünewalds erhaltene Werke sind dem Umfang nach gering, gehören jedoch zu den bedeutendsten Kunstwerken der Darstellung biblischer Szenen. An seinem Hauptwerk, dem Isenheimer Altar, den er im Auftrag des Antoniterklosters in Isenheim (Oberelsass) schuf, arbeitete er zwischen 1513 und 1516. Heute ist der Altar im Museum Unterlinden in Colmar – in drei Schauseiten getrennt – ausgestellt. Dort sah ihn Thomas Mann am 22. Dezember 1918 und notierte dazu in seinem Tagebuch:
"Im Ganzen gehören die Bilder zum Stärksten,was mir je vor Augen gekommen.“
Ein weiterer Hauptaltar mit zwei Seitenaltären befand sich bereits über 100 Jahre im Mainzer Dom, als
Kaiser Rudolf II., Bayernherzog Maximilian I. und der Große Kurfürst von Brandenburg ihre Begehrlichkeiten darauf lenkten.
Aber sie bemühten sich vergeblich. Der schwedische König Gustav II. Adolf kam Ihnen zuvor. Der „Eroberer aus dem Norden“ kämpfte im Dreißigjährigen Krieg auf der Seite der Protestanten und kam 1631/32 nach Mainz. Als er Grünewalds Kunstwerk mit seinen insgesamt 15 Tafelbildern sah, war er so begeistert, dass er diese kurzerhand beschlagnahmte und sie als Kriegsbeute nach Schweden bringen ließ.
Ob es stimmt, dass der „Schatz“ bei einem Schiffbruch auf der Ostsee verloren ging oder ob dies eine bewusste Fehlmeldung war, ist bis heute nicht geklärt. Die „Raubkunst“ ist nie mehr „aufgetaucht“. Der Verlust sei, wie es Kunsthistoriker Friedrich Winkler formuliert, einer der …
„schwersten, den die deutsche Kunst erlitten hat“.
In Aschaffenburg schuf Grünewald den Maria-Schnee-Altar mit der weltberühmten
Ursprüngliche Heimat des Marienbildes war die Maria-Schnee-Kapelle in der Stiftskirche zu Aschaffenburg. Seit 1516 schmückte es als Mittelbild den dreiflügeligen Altar. Nach mehrmaligem Wechsel des Standortes wurde das 500 Jahre alte Tafelbild 2012 restauriert und strahlt im „alten/neuen Glanz“. Heute kann man es in einem Anbau an der Pfarrkirche Mariä Krönung in Bad Mergentheim-Stuppach (Franken) bewundern.
Das Bild [7] zeigt Maria auf einem Brunnenrand sitzend. Sie trägt ihr Haar offen und wird – entgegen gängigen Darstellungen – ohne Krone dargestellt. Stattdessen wölbt sich über ihrem Kopf ein Regenbogen, das Symbol der Verbindung zwischen Gott und den Menschen. Diese Verbindung zeigt auch der, sich am linken Bildrand öffnende Himmel.
Maria schaut auf ihr Kind, das auf ihrem Schoß steht und der Mutter eine Feige reicht. Diese Frucht steht für Glück, Frieden und Lebenskraft. Rechts von ihr erhebt sich ein Baum. Er weist auf den „Baum des Lebens“ hin, der gleichzeitig Blüten und Früchte tragen kann. An dessen Wurzel wachsen Lilien, ein Symbol für Reinheit. Hinter dem Baum ist eine Kirche erkennbar, vielleicht das Straßburger Münster, was den Bezug zur Lebenswelt des Künstlers herstellt. | ![]() |
Hansjakob – Rebell im Priesterrock
Man könnte meinen, es gäbe im Badnerland kaum eine Gemeinde, die bei der Benennung von Straßen, Schulen oder Plätzen auf den Namen des Pfarrers Heinrich Hansjakob [* 1837, † 1916] verzichtet hätte.
Bekannt wurde er vor allem als Schriftsteller, stammen doch mehr als 70 Erzählungen in Tagebüchern und Reiseberichten sowie historische, religiöse und politische Schriften aus der Feder des streitlustigen Pfarrers, Lehrers, Abgeordneten, Historikers und Sozialreformers, der in unserer Heimat tiefe Spuren hinterlassen hat.
![]() | Auch in Rastatt und Niederbühl erinnern Straßen- und Schulbezeichnungen (Hansjakobstraße / Hansjakobschule) an den Volksschriftsteller. |
Einiges aus seinem bewegten Leben
Seine Rastatter Zeit begann 1852. Hier drückte er im Lyzeum (heute Ludwig-Wilhelm-Gymnasium) bis 1859 die Schulbank. Seine prägende, oft rebellische Schulzeit in Rastatt verarbeitete er literarisch in seinem autobiografischen Werk: „Aus meiner Studienzeit“ (1885). Dort ist zu lesen, dass er „viel lieber und weit mehr in die Bierhäuser als in die Kirche ging“.
Es wird erzählt, er sei gerne im Gasthaus Favorite in Niederbühl (heute SchnickSchnack) eingekehrt.
Nach Studium und Priesterweihe wird der Bäckersohn aus Haslach im Kinzingtal Lehrer in Donaueschingen und Waldshut. Gleich bei seiner ersten öffentlichen Rede fiel er wegen seines „frechen Mundwerks“ auf und wurde wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ verurteilt. Der 32jährige „Hetzkaplan“ wurde aus dem badischen Schuldienst entlassen und musste eine vierwöchige Haftstrafe in der Festung Rastatt absitzen.
Von der Stuttgarter Zeitung wurde er als …
„Demokrat, Antisemit, Nerventeufel und polternd predigender Pfarrer, der gegen fast alles ist“ ….
beschrieben.
![]() | Das Ölgemälde, ausgestellt im Städtischen Museum (Online-Sammlung) zu Freiburg, zeigt ihn als „Rebell im Priesterrock“ mit Hecker-Hut. Wegen „Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“ verurteilte man Heinrich Hansjakob 1872 neuerlich zu einer sechswöchigen Gefängnisstrafe, die er – unter schärferen Haftbedingungen als in Rastatt – in Radolfzell absitzen musste. |
Trotzdem setzt er danach sein politisches Engagement unbeugsam fort. So verschreibt sich der „politische Draufgänger“ dem Kampf für Recht und Freiheit und wird als Abgeordneter der Katholischen Volkspartei in den Badischen Landtag gewählt.
Als Seelsorger in Hagnau am Bodensee (ab 1869) erkennt Hansjakob, dass sich die soziale Not der Rebbauern nur verbessern lässt, wenn sie sich in einer starken Schutzgemeinschaft zusammenschließen, um mit den Weinhändlern einen annehmbaren Preis aushandeln zu können. Das von ihm als „Schandpreis“ empfundene Angebot für den Jahrgang 1881 gibt den Anstoß, den „Ersten Badischen Winzerverein“, dessen Vorsitz er selbst übernimmt, zu gründen.
So entstand am 20. Oktober 1881 die erste badische Winzergenossenschaft.
Diese segensreiche Einrichtung der Hagnauer Weinbauern verbreitet sich in der Folgezeit rasch in ganz Deutschland. Man beruft sich noch heute auf das von Hansjakob ausgerufene Motto, das auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen [* 1818, † 1888] zurückgeht:
„Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“
In Hofstetten bei Haslach verbrachte Heinrich Hansjakob immer wieder seinen Urlaub. Er wohnte dann stets im Gasthaus „Drei Schneeballen“, das er als sein „Paradies“ bezeichnete. Genau gegenüber ließ er zwischen 1901 und 1903 seine Grabkapelle bauen.
![]() | Gleich zu Baubeginn überwarf er sich mit dem Ordinariat und erwog 1901 seinen Rücktritt als Pfarrer. Im Jahre 1911, fünf Jahre vor seinem Tod, kam es zum Bruch mit der Amtskirche. Vorausgegangen war Hansjakobs Protest gegen „… die ewig gestrige Kirche“, die sich u. a. im sogenannten „Antimodernisierungseid“ zeigte. Dieser Eid, von Papst Pius X. im Jahr 1910 erlassen, verpflichtet alle katholischen Priester und Diakone vor ihrer Weihe zu strengstem Gehorsam. |
Die lange Eidesformel, die bis 1967 in Kraft war, beginnt wie folgt:
„Ich umfasse fest und nehme an alles und jedes Einzelne, was vom irrtumslosen Lehramt der Kirche bestimmt, aufgestellt und erklärt ist, besonders die Hauptstücke ihrer Lehre, die unmittelbar den Irtümern der Gegenwart entgegen sind.“ [8]
Pfarrer Hansjakob nimmt klar Stellung, indem er ausführt, dass Verkünder der Frohen Botschaft keinen Antimodernisierungseid benötigen. Die Kirche sei in ihrem Lehramt nicht „irrtumslos“. Er stellt die für ihn entscheidende Frage:
„Kann jemand, der diesen Eid geleistet hatte, noch kritisch undoffen sein für neue Entdeckungen?“
Zum Schluss noch eine Weisheit aus dem Mund des Heinrich Hansjakob, der in der Bodenseeregion auch „Hans am See“ genannt wird. [9]
„Die öffentliche Meinung richtet und fällt ihr Urteil über gut und bös, über ehrenhaft und unehrenhaft – aber in ihrer Art. Sie verherrlicht oft die größten Lumpen und verachtet den armen ehrlichen Mann. Sie schmeichelt oft dem Laster und unterdrückt und verhöhnt die Tugend. Lüge und Heuchelei bringen es vor ihrem Richterstuhl viel weiter als Offenheit, Geradheit und Ehrlichkeit.“
Laurentius – Patron der Pfarrgemeinde
![]() | An der Laurentiusstraße befinden sich der Kindergarten, die Ortsverwaltung, Grund- und Salomo-Schule, und die Pfarrkirche St. Laurentius. |
Laurentius war einer der sieben Diakone Roms. Er wurde 225 in Huesca (Spanien) geboren und erlitt während der Christenverfolgungen unter Kaiser Valerian in Rom den Märtyrertod.
Die Verehrung als Namenspatron in Niederbühl kann bis zum Jahr 1400 zurrückverfolgt werden.
Dies dokumentiert u. a. folgender Text aus dem Freiburger Diözesanarchiv. [10]

Um den Heiligen Laurentius (in Rom hingerichtet am 10. August 258) ranken sich mehrere Legenden.
![]() | So soll er als Diakon des Bischofs Sixtus II. das Amt des Vermögensverwalters innegehabt haben. Von Kaiser Valerian wurde er aufgefordert, den Kirchenschatz binnen drei Tagen zusammenzutragen und herauszugeben. Daraufhin versammelte er eine Schar von Armen und Kranken, Verkrüppelten, Blinden, Leprösen, Witwen und Waisen und präsentierte sie dem Kaiser als „den wahren Schatz der Kirche.“ Der Hauptmann ließ ihn deswegen foltern und dann auf einem glühenden Eisenrost hinrichten. [11] |
Wussten Sie, dass Laurentius u. a. als Schutzpatron von Köchen gilt?
So wird berichtet, dass er trotz entsetzlicher Qualen lachte, als man ihn in unmenschlicher Weise über einem Feuer auf einen glühenden Rost legte. Er soll zu seinem Folterer gesagt haben:
„Du kannst mich jetzt umdrehen, denn auf dieser Seite binb ich schon genug geröstet."
Der Rottweiler Künstler Siegfried Haas [* 1921, † 2011] stellt in der Niederbühler Pfarrkirche den Heiligen als Brot spendenden Diakon dar. Seine gebückte Haltung und die überdimensional groß gestalteten Hände sollen von der Demut, Hilfsbereitschaft und Großherzigkeit des Diakons zeugen.
1981 segnete der ehemalige Pfarrer Otto Doll in Anwesenheit des Künstlers die Statue, die rechts des Hauptaltares in der Pfarrkirche steht. [12]

Franz Schubert
Brückenbauer zwischen Klassik und Romantik
![]() | Der Straßenname erinnert an den in Wien wirkenden Komponisten Franz Schubert [* 1797, † 1828]. |
Obwohl er schon im Alter von 31 Jahren starb, hinterließ er ein reiches und vielfältiges Werk. Er komponierte über 600 Lieder, weltliche und geistliche Chormusik, sieben vollständige und fünf unvollendete Sinfonien, Ouvertüren, Bühnenwerke, Klavier- und Kammermusik.
Schuberts Bedeutung als Komponist wurde erst nach seinem frühen Tod allgemein anerkannt. Mendelssohn, Schumann, Liszt, Brahms und andere Komponisten der Romantik entdeckten das Werk ihres Vorgängers. [13]
![]() | Auch musikalisch weniger interessierte Menschen kennen wohl „sein“ „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“ aus der Deutschen Messe.
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Heilig, heilig, heilig, / heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, / heilig ist nur er!Er der nie begonnen, / er, der immer war,ewig ist und waltet / sein wird immerdar.
[Heilig, heilig, heilig, / heilig ist der Herr! …]
Allmacht, Wunder, Liebe, / alles rings umher!Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr.
![Erste Zeile aus: Schuberts Notenaufzeichnungen zu: „Heilig“ [14]](https://static.wixstatic.com/media/d70a6b_5aa36428ec0e4a80a3fcdf89d41bac1d~mv2.png/v1/fill/w_690,h_184,al_c,q_85,enc_avif,quality_auto/d70a6b_5aa36428ec0e4a80a3fcdf89d41bac1d~mv2.png)
Eine Kirchstraße ohne Kirche?
![]()
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Stimmt do was net?
Dass man die bei der Brücke über den Oser Landgraben, am Gasthaus Schwanen beginnende und in der Grünewaldstraße endende Kirchstraße heute vielleicht anders benennen würde, scheint plausibel zu sein, gibt es doch dort überhaupt keine Kirche mehr.
Doch viele Jahrhunderte lang lagen Niederbühls Pfarrkirchen– umgeben vom Friedhof (Gottesacker / Kirchhof) – tatsächlich an der immer noch so bezeichneten Kirchstraße.
Hans Thoma
Deutschlands Lieblingsmaler im 19. Jahrhundert
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| Grafiker, Lithograf, Schriftsteller, Theologe, Portrait-, Landschafts-, Tier-, Historienmaler, … |
Hans Thoma [* 1839 in Bernau im Schwarzwald, † 1924 in Karlsruhe] ist bekannt als „bodenständiger Künstler“ mit einer tiefen Liebe zu seiner Heimat, dem Wiesental im Südschwarzwald. Obwohl er aus einfachen Verhältnissen stammte, unternahm er „Wanderjahre“, die ihn von Basel, Paris, Frankfurt, England, Italien und wieder zurück in den Schwarzwald führten.
Eine Ausstellung im Münchner Kunstverein im Jahre 1890 brachte ihm den künstlerischen Durchbruch. Dort feierte man ihn nicht nur wegen der Landschaftsbilder, sondern erfreute sich an Motiven des bäuerlichen Lebens, wie z. B. der „Pfeife rauchende Bauer“ oder der „Mondscheingeiger“.
Bei diesen Werken idealisiert Hans Thoma das einfache Leben auf dem Land als Gegenbild zur Stadtgesellschaft.
Neben allen Lobes muss gesagt werden, dass er Ansichten vertrat, die aus heutiger Sicht von einem "völkisch, antimodernem Weltbild, gepaart mit Antisemitismus“ zeugen. [16]
Zum Abschluss dieses Kapitels soll ein Zitat des Künstlers zum Nachdenken anregen.

[1] Werden keine Bildquellen genannt, stammen alle Bilder von Wolfgang Braun.
[2] Bildquelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe
[3] Bildquelle: Gemeindeverwaltung Hausen im Wiesental
[4] Roswitha Frey, Badische Zeitung, 16. Oktober 2023
[5] Bildquelle: Dieter Jaeger, Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
[6] Bildquelle: Bayerische Staatsbibliothek München
[7] Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stuppacher_Madonna
[8] zitiert nach: http://kirchenlehre.com/anti_mod.htm
[9] zitiert nach: https://www.readimo.com/de/tags/verherrlicht#5
[10] Freiburger Diözesanarchiv, Geschichte, Altertumskunst und christliche Kunst, zwölfter Band. Zitat aus 10. Kapitel: Geschichte der Pfarreien, J. B. Trenkle, Karlsruhe, S. 41, vgl.: https://freidok.uni-freiburg.de/fedora/objects/freidok:6378/datastreams/FILE1/content
[11] Bildquelle: „Der Heiligen Leben“, Augsburg, 1489, S. 482, zitiert nach: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ ij00164000/0220
[12] Fotomontage: Wolfgang Braun [10??]
[14] Bildquelle: https://www.katholisch.de/artikel/30885-zur-andacht-gestimmt-franz-schuberts-heilig-und-ehre-sei-gott
[15] Bildquelle: Städelmuseum, Frankfurt am Main, digitale Sammlung
[16] vgl. Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst:Der „Hans Thoma Preis für Bildende Kunst“ wurde umbenannt in: „Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg“.

























Danke für diesen informativen Beitrag zur Ortsgeschichte. Zu Johann Peter Hebel wäre nachzutragen, dass sich am 22.9. sein Todestag zum 200. Mal jährte. Aus diesem Grund gab es in allen großen deutschen Zeitungen einen Artikel über ihn, z. B. in der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/johann-peter-hebels-200-todestag-accg-201247586.html