Ukrainische Gefangene, bestattet in Niederbühl
Aktualisiert: 1. Sept.
Wolfgang Braun, September 2026; dritte, überarbeitete Version [1]
Warum sind auf unserem Friedhof Männer aus der Ukraine begraben?
Eine Antwort auf diese Frage erfordert einen kurzen Blick in die Geschichte zur Zeit des ersten Weltkrieges, denn auch zwischen den Kriegen 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg war die Ukraine ein „Zankapfel“ im Herzen Europas.
Große Teile der heute zur Ukraine gehörenden Gebiete waren damals Teil des Habsburger Reiches. Gleichzeitig gab es Bestrebungen, einen eigenständigen ukrainischen Staat zu gründen. Im Osten der Region versuchte das zaristische Russland seinen Einfluss auszuweiten. An der Süd-Ost-Front kämpften deutsch-österreichisch-ungarische Truppen gegen die Soldaten des Zares.
Das Oberkommando des deutschen Heeres versuchte verschiedene ukrainische Unabhängigkeitsbewegungen zu unterstützen und ordnete an, aus der Masse russischer Kriegsgefangener ukrainische Soldaten „auszusortieren“. Diese sollten später im Kampf gegen Russland eingesetzt werden. Das Deutsche Reich unterstützte somit massiv die Separationsbemühungen der Ukraine als Kriegsmittel zur Schwächung Russlands. Hierzu brachte man ukrainisch-stämmige Kriegsgefangene in weit entfernte Umerziehungslager nach Deutschland.
So wurden bis zu 15.000 Gefangene [2] ukrainischer Herkunft seit Mai 1915 zur "Umerziehung" für antirussische Ideen ins Rastatter Barackenlager (Münchfeld) deportiert. Dieses Lager nannte der Volksmund "Russenlager." |
Das Foto zeigt Insassen des Barackenlagers im Rastatter Münchfeld. Es trägt das Datum: 10.03.1918. [3]

Neben der Umerziehung wurden sie in Rastatt auch zu Arbeiten in der Stadt herangezogen, beispielsweise zu Straßenarbeiten und Einebnungsarbeiten der alten Bastion. Es gab eine eigene Lagerzeitung, durch die die Gefangenen mit politischen Neuigkeiten und Informationen aus der Heimat versorgt wurden.
Die Toten wurden zunächst auf dem Stadtfriedhof bestattet, dann auf den 1957/58 neu geordneten Niederbühler Friedhof umgebettet. Hier richtete man einen Ehrenhain als internationale Gedenkstätte ein. Auch Opfer des Zweiten Weltkrieges, u. a. Sinti und Roma sowie Menschen, die das „Arbeitserziehungslager“ an der Kreisstraße zwischen Kuppenheim und Niederbühl nicht überlebten, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. | ![]() |
Es lohnt sich, die Grabkreuze näher anzuschauen und sich zu vergegenwärtigen, wie viele junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren ihr Leben für eine absurde Idee lassen mussten, die in keiner Weise die beabsichtigte Wirkung erzielte.
Auf 23 Grabkreuzen sind die Namen von insgesamt 119 namentlich erfassten verstorbenen Kriegsgefangenen verzeichnet. | ![]() |
![]() | Den Ehrenhain dominiert ein Naturstein mit Kreuz. Die Inschrift des Findlings lautet: „Hier ruhen die im Lazarett des Russenlagers Rastatt gestorbenen ukrainischen Kriegsgefangenen1915 – 1917“ Heute fordern“ die Grabkreuze uns auf, diese als Mahnung für ein … „NIE wieder!“aufrecht zu erhalten. |
Am Schluss dieser Ausführungen sei an den Krieg gegen die Ukraine erinnert, der bereits jetzt schon länger dauert als der Erste Weltkrieg.
[1] Werden keine Bildquellen genannt, stammen die Bilder vom Autor.
[2] vgl. hist. Verein Rastatt, https://hist-verein-rastatt.de/2022/02/27/auch-in-rastatt-wurde-ukrainische-geschichte-geschrieben/
[3] Bildquelle: Arbeitskreis für Landeskunde/Landesgeschichte RP Karlsruhe, Kapitel 6: „Der erste Weltkrieg – Heimat“;
www.landeskunde-bw.de, sowie Stadtarchiv Rastatt








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