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Barockschlösser: Besuchermagnete des Altenwerkes

Folge 19 von Wolfgang Braun
Erstellt im September 2021. Digitalisiert vom Heimatverein Niederbühl-Förch e. V. im Dezember 2021
Vielen Dank unserem Gründungsmitglied Wolfgang Braun, dass wir seinen Artikel hier veröffentlichen dürfen.

Die Barockschlösser Favorite, Mannheim, Schwetzingen, Bruchsal und Ludwigsburg waren in den letzten Jahren Ziele, die das Altenwerk aufgrund der einmaligen barocken Baukunst, aber auch unter dem Aspekt, das höfische Leben näher zu erkunden, besuchte. In diesem Artikel wird der Schwerpunkt auf den flüssigen Luxus der adligen Gesellschaft – also auf Tee, Kaffee und Schokolade -gelegt, waren diese exquisiten Verführer in der Zeit des Barocks nicht nur exotisch und teuer, sondern vor allem total „chic“. Natürlich wünschte man sich für den vollendeten Genuss dieser besonderen Köstlichkeiten anstelle der gängigen Metall- oder Keramikgefäße Porzellan, das lange Zeit aus China importiert werden musste, weil das Geheimnis der Herstellung des sogenannten weißen Goldes hierzulande noch nicht bekannt war. 1710 gelang es schließlich in Meißen das Geheimnis zu lüften. Nun war der Siegeszug des edlen und zerbrechlichen Materials nicht mehr aufzuhalten und im Lauf der Zeit entstanden etliche Manufakturen – wie z. B. die herzogliche Ludwigsburger Porzellanmanufaktur.


Schloss Favorite Förch

Bildquelle: Heimatbuch Niederrbühl

Auch am markgräflichen Hof zu Rastatt und Favoritee wusste man, was „en vogue“ war. Markgräfin Augusta Sibylla war eine leidenschaftliche Sammlerin von Porzellan und Fayencen, wovon sich unser Altenwerk 2014 bei einer Besichtigung von Schloss Favoritee überzeugen konnte. Denn das Gute liegt so nah …


Die Überraschung war groß, als die Gruppe bei ihrer Ankunft im Schlosspark von einer „markgräflichen Hofdame“ willkommen geheißen wurde. Sie hatte die erlauchte Aufgabe, die 60 „Untertanen“ in das höfische Leben einzuführen.


So begann der Besuch damit, dass zunächst der Hofknicks geübt wurde. Danach führte Hofdame Jolanda ins herrschaftliche Schloss und berichtete dabei allerlei Wissenswertes und Unterhaltsames, über den Alltag und Feste bei Hof aus der Sicht der Adligen – und auch aus Sicht der Dienerschaft. Breiten Raum widmete unsere Hofdame dem Thema: „Von Tisch und Tafel“.


Wenn eine Küche nicht zum Kochen da ist

Erstaunt waren die Teilnehmer als sie erfuhren, dass die mit wertvollem, kostbarem Fayence-Geschirr ausgestattete Küche überhaupt keine Feuerstelle besaß. Aus Gründen des Brandschutzes lag die „echte“ Küche außerhalb der Schlossmauern. Aber zu Repräsentationszwecken legte die Markgräfin Wert auf eine gut ausgestattete Schauküche. Aus der Fayencemanufaktur in Hanau wurden z. B. zahlreiche Teller, Platten, Pastetenschüsseln, Rahmtöpfe und Krüge bezogen. Kleine sternförmige Platten sowie Obelisken und Zwergenfiguren – Schmuck für festliche Tafeln – kamen aus der Manufaktur in Ansbach.


Das Kaffeemädchen erzählt

Unsere Hofdame Jolanda schlüpfte bei ihren Erzählungen auch in die Rolle eines Kaffeemädchens und berichtete von gänzlich neuen Vorlieben für die neumodischen und exotischen Heißgetränke Kaffee und Kakao. An den Residenzen wurde immer gerne genascht, was auch unser Besuch 2015 in Mannheim zeigte. So einte das Kurpfälzer Fürstenpaar Karl Theodor und Elisabeth Auguste – nicht sehr glücklich miteinander und daher häufig getrennt – die Liebe zur Schokolade und Kaffee. Historische Einkaufslisten belegen außerdem, dass Orangenblütenwasser und Bourbon-Vanille in rauen Mengen über die Alpen an die europäischen Höfe geschickt wurden.


Der Genuss von Kaffee – und einem guten Stückchen Kuchen – hat sich im Lauf der Jahrhunderte von einem Privileg der Adligen zu einer weit verbreiteten und „lieben“ Gewohnheit entwickelt. Auch bei unseren Seniorennachmittagen im Pfarrzentrum gehören Kaffee und Kuchen immer dazu – genauso wie unsere „Hofdame Jolanda“, die im Team des Altenwerks mitwirkt und deren Führung durch Schloss Favorite in bester Erinnerung geblieben ist.


Ein besonderes Rezeptbuch

Der Autor dieses Artikels weist auf ein literarisches Kleinod hin, nämlich ein Rezeptbuch, welches die 13-jährige Franziska Augusta Sibylla 1688 von ihrem Großvater geschenkt bekam. Das Buch trägt den Titel:


„Vierfacher Handschrein: unterschiedlich angemerckter

Kunst- Speiß- Confitur- und Medicinal-Sachen“.


Das Original befindet es sich im Besitz der Markgrafen von Baden. Als Taschenbuch ist es im Buchhandel, aber auch an der Kasse des Schlosses Favorite zu kaufen.


Herausgeber

Pfarrgemeinde St. Laurentius Niederbühl, in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal, vertreten durch das Gemeindeteam.

Autor (Text- und Gestaltung)

Erstellt im September 2021

Blogbeitrag

Erstellt im Dezember 2021 vom Heimatverein Niederbühl-Förch durch Marcus Wirth

Fotografien

Sofern nichts anderes vermerkt ist, stammen die Fotografien von Wolfgang Braun

Beitrag zum download

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