Sagen und G´schichtle rund um Niederbühl und Förch
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Wolfgang Braun, Oktober 2026; zweite überarbeitete Version [1]
Welche Oma, welcher Opa erzählte den Enkelkindern nicht schon mal Märchen, Sagen, Begebenheiten, Legenden oder LumbeG´schichtle?
Auch im multimedialen Zeitalter hat dies seinen Reiz nicht verloren, werden doch teilweise reale Begebenheiten in eine fantastische Vorstellungswelt übertragen, die ihrerseits wieder von Eindrücken mit „echtem“ Wahrheitsgehalt zeugen.
![]() | Sagen sind ursprünglich mündlich überlieferte Erzählungen, die zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich festgehalten wurden. Aber anders als Märchen beziehen sie sich auf … wirkliche Begebenheiten, geschichtliche Ereignisse, Orte, Bezirke, Landschaften ... oder real existierende Personen …
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In den folgenden Abschnitten werden Anregungen gegeben, ums G´schichtle erzähle net zu verlerne.
Besonders interessant sind solche „Storys“, wenn sie aus der allernächsten Umgebung stammen. Blicken wir also auf den zugegebenermaßen geringen und dennoch interessanten „Sagenschatz“ rund um Niederbühl und Förch.
Von der Verscheuchung der Hexenversammlung
„Ein Mann mit dem Vornamen Jakob, welcher nachts um halb zwölf unweit des Kirchenlochs bei Niederbühl ging, sah dort eine helle Beleuchtung. Neugierig trat er hinzu und fand viel Leute an einer Tafel sitzen, auf der Speisen und Getränke in goldenen und silbernen Geschirren standen. Als die Versammlung ihn erblickte, rief man ihm zu: «Gesundheit, Jockele!» Jakob war ein höflicher Mensch und rief hinüber: «Gesegne es euch Gott»! Da zerstob mit Gebraus die ganze Versammlung in alle Winde. Statt der kostbaren Geschirre standen nun Kuhklauen und alte Schuhe auf der Tafel.“ [2]
Das Bild, gezeichnet von Prof. Albert Kiefer, zeigt die alte Kirche am Ooser Landgraben. Diese wurde nach der Zerstörung während der Revolution von 1849 in den Jahren 1851 bis 1853 instand gesetzt. Anstelle des ehemaligen barocken Zwiebelturmes errichtete man einen Spitzturm. | ![]() |
Steine im Glockenloch zu Geld verwandelt
Folgende Art von Sagen finden sich in abgewandelter Form fast überall. Gegenstände werden in Geld/Gold/Edelsteine verwandelt, und danach kommt das große Erwachen. Genau diesem Schema folgt die Sage über einen Niederbühler Buben, der erlebt, wie aus Steinen Silberstücke werden. [3]
Das Ganze ist verknüpft mit einer Kuppenheimer Sage die erzählt, dass die Glocken der Kirche bei der Brandschatzung der Stadt durch französische Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekriegs dem furchtbaren Stadtbrand entkamen, indem sie völlig selbständig aus dem Turm flogen und an der Gemarkungsgrenze bei der Landung durch ihr großes Gewicht eine Senke erzeugt haben sollen, das Glockenloch.
Ein Niederbühler Bub saß einst an der Wassergrube, welche das Glockenloch hieß. Dort waren kleine Steine aufgehäuft. Er warf etliche so darüber, dass sie auf der Oberfläche des kleinen Teiches lustig hinweghüpften. Sobald sie das Wasser berührten, schimmerten sie wie Silber. Er füllte deswegen seine Kappe mit Steinen von dem Haufen und leerte diese zu Hause auf den Tisch. Zuerst wollte seine Mutter schimpfen, weil sie den Knaben kannte, der immer etwas mit nach Hause schleppte, was meist von nicht sonderlichem Werte war. Doch wie sie den Mund aufmachen wollte, blieb sie vor Schreck stumm.
Auf dem Tisch blinkten wertvolle Silbermünzen.
In Begleitung seines Vaters eilte er sogleich zu dem Glockenloch, konnte aber den Steinhaufen nicht mehr entdecken. Sie nahmen nun ähnliche Steinchen mit; allein dieselben wollten sich nicht in Geld verwandeln.
Das Wunder der Verwandlung zu Silberstücken wiederholte sich nie mehr!
„So war´s gonz sicher odder vielleicht onnerschd“?!
Auf hochdeutsch: „Der Wahrheitsgehalt lässt sich nur zum Teil verifizieren.“
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Pass auf, wenn Du sie siehst: Die „Weiße Frau“ im Förcher Schloss
Zu jedem Schloss gehört ein Schlossgespenst. Das weiß jedes Kind, und auch in Förch ist dieses Phänomen nicht unbekannt. So soll in Schloss Favorite in besonderen Nächten eine geheimnisvolle „Weiße Frau“ geistern.
Die „Weiße Frau“ ist wohl der prominenteste Geist, der seit Jahrhunderten in vielen Burgen und Schlössern Rätsel aufgibt. Ihr „Stammsitz“ scheint die Plassenburg bei Kulmbach zu sein. Erstmals schriftlich erwähnt wird die gruselige Dame 1625 in der Leichenpredigt auf Prinz Joachim Sigismund von Brandenburg. Vielfach dokumentiert sind jedoch Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Romantik, als das Übersinnliche boomte. Hier überragt der Bekanntheitsgrad der „Weißen Frau“ der Burg Hohenzollern alles bisher Beschriebene.
Auch das markgräfliche Schloss in Baden-Baden hatte – einer alten badischen Sage nach – eine „Weiße Frau“, die der Markgrafenfamilie bei ihrem Umzug in die neue Residenz nach Rastatt folgte.
Was Schloss Favorite betrifft, entspann sich die Geschichte, dass die verstorbene Markgräfin Franziska Sibylla Augusta als „Weiße Frau“ im Schloss umgehe und durch ihr Erscheinen Krieg und Tod ankündige.
Beschrieben wird sie als Frau mit ...
… starrem und grauenvollem Blick, gekleidet in ein schneeweißes Gewand mit feinem durchsichtigem Schleier.
Vor Beginn des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, aber auch in den Vortagen des Ersten Weltkrieges habe man die „Weiße Frau“ gesehen. So ging im Sommer 1914 – gleich nach dem Mord am habsburgischen Thronfolger in Sarajewo – das Raunen um:
„… die Sibylla geistert wieder.“
![„Weiße Frau“ in der Sala Terrena (Garten- und Festsaal) [5]](https://static.wixstatic.com/media/148f28_5e27f8abdaa04a258eafb5bfa5f4255f~mv2.png/v1/fill/w_980,h_548,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/148f28_5e27f8abdaa04a258eafb5bfa5f4255f~mv2.png)
Dass die „Weiße Frau“ nicht nur Todesbotschaften ankündigt, zeigt eine Variante, die nach Böhmen führt. In Volkssagen, Märchen und Legenden (1811) [6] kann die „Weiße Frau“ auch die Geburt eines Kindes oder gar einen neuen Lebenspartner ankündigen.
Auf was müssen folglich Förcher Nachtwandler achten?
Verkündet die „Weiße Frau“ den Tod, so trägt sie an beiden Händen schwarze Handschuhe. Verkündet Sie neues Leben, so trägt sie weiße Handschuhe. | ![]() |
Mord im Eberschter Wald
Der „Krimi“ am Blaumutzenkreuz
Zwischen dem „Salmengrund“ und dem „Schlößle“ auf der Gemarkung Haueneberstein stehen unweit der Gemarkungsgrenzen Haueneberstein-Kuppenheim-Niederbühl mitten im Wald zwei Denkmale, um die sich Sagen bzw. Begebenheiten ranken.
Hier soll sich Schreckliches zugetragen haben.
![]() | Tatverdächtige: Mehrere Wilderer Mordopfer: ein Mitglied der Wildererbande Tatort: Zwischen Haueneberstein, Förch und Niederbühl Tatzeit: Jahr 1603 Straftatbestand: Mord aus niedrigem Beweggrund in Tateinheit mit Wilderei |
Tatbestand
Wir schreiben das Jahr 1603, als ein Förster bei einem Waldgang auf mehrere Wilderer trifft. Er verfolgt die Übeltäter und schießt dabei einen von ihnen an. Da er den stark blutenden Mann nicht allein forttragen kann, eilt er ins nahe Dorf Haueneberstein, um Hilfe zu holen. Kaum hat er sich aber vom Tatort entfernt, kommen die anderen Wilderer aus ihren Verstecken. Sie erkennen sofort, in welch schwieriger Situation sie sich befinden. Ihr verletzter Kumpan wird sich einer Anklage wegen Wilderei stellen müssen. Was, wenn er sie hierbei verrät? In ihrer Not beschließen sie, den Verwundeten unkenntlich zu machen und schneiden ihm kurzerhand den Kopf ab …
Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Erzählung ist nicht zuverlässig zu beantworten. Allerdings ist das Gewann „Am Blaumutzenkreuz“ schon auf der ältesten verfügbaren Waldkarte Hauenebersteins von 1839 verzeichnet.
![]() | Heute weist am „Tatort“ ein aus dem Boden ragender, verwitterter und grob behauener Buntsandstein auf die Bluttat hin. Dieser Monolith könnte Teil eines ehemaligen Steinkreuzes sein, dessen beschädigter Längsbalken heute in einer Waldlichtung steht. Auf seinem oberen Ende ist ein Kreuz eingehauen. | |
Daneben steht ein neueres Gedenkkreuz, ein ehemaliger Grabstein aus dem Friedhof von Haueneberstein.
Die darauf angebrachte Marmortafel trägt die Aufschrift „Blaumutzenkreuz 1603“. Dieses Kreuz, das im Jahr 1972 aufgestellt wurde, erinnert an den ertappten Wilderer, der eine „blaue Mutze“ getragen haben soll.
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Und so finden Sie den versteckten Ort:
Parken Sie am „Förcher Kreisel“ (Abzweigung nach Kuppenheim – Baden-Baden – Ebersteinburg) und gehen wenige Meter auf dem Weg Richtung Haueneberstein. Biegen Sie gleich in den ersten Weg Richtung Waldrand links ab. Verlassen Sie diesen Weg nicht, d. h. nehmen Sie auch an der Weggabelung am Waldrand den mittleren Weg. Dieser führt Sie nach ca. weiteren 15 Min. an einen mit einem Wegweiser gekennzeichneten Stein. Wenn Sie links abbiegen, erreichen Sie nach ca. 150 Metern den Sühnestein und das Kreuz.

[1] Werden keine Bildquellen genannt, stammen die Bilder von Wolfgang Braun.
[2] Aus: Bernhard Baader: Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden,
Band 1, Karlsruhe 1851, S. 151 ff.
[3] Sinngemäß zitiert nach: Bernhard Baader. Siehe oben, aber Band 2, Karlsruhe 1859, S. 76 ff.
[4] Bildquelle: Muenzkurier.de
[5] Bildmontage: Wolfgang Braun
[6] Johann Gustav Büsching, herausgegeben in Leipzig













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